Bewahrungen

Ausstellungsansicht | Kunsthalle Göppingen | 2006 | Foto: Johanna Lippmann

"So gibt es in jeder Kultur zwischen dem Brauch dessen, was man Ordnungscodes und die Reflexion über die Ordnung nennen könnte, die nackte Erfahrung der Ordnung und ihrer Seinsweisen."

Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge

 

aus: Bewahrungen: #1 & #2 | 2006 | Digitale C-Prints, gerahmt | 120x80 cm

Eine Schallplattensammlung gemischt mit Tonbändern, ein sorgsam eingerichteter CD-Schrank, in langen Jahren angelegte bunte Arbeitsmappen, ein zweireihig belegtes Regal mit Videokassetten, ein Tonbandschrank, dessen Türen mit Kassettenhalterungen bestückt sind, zahllose Fotografien von Fischen...

 

Ruth Hommelsheim transferiert in ihrer Arbeit Bewahrungen die unscheinbaren Dinge eines privaten, alltäglichen Archivs auf eine gezielt zurückgenommene Ebene der subtilen Betrachtung, Beobachtung. Immer geht es dabei um die Präsenz von Gedächtnis-Räumen und deren unbewusster Wahrnehmung.

 

aus: Bewahrungen: #3 & #4 | 2006 | Digitale C-Prints, gerahmt | 120x80 cm

Man wandert durch die seriellen Schichtungen eines inversen Museums: ein nicht-öffentliches Gebilde des Sammelns als Versicherung von Existenz. Wissen verknüpft sich mit Sein. Im Dialog mit dem Abwesenden (dem Sammler) wird die Frage vertieft, inwiefern Serialität und Individualität, inwiefern Ordnung und das Geordnet-Sein in direktem Zusammenhang mit persönlichem Ausdruck und individueller Freiheit stehen.

 

So tauchen die Arbeiten von Ruth Hommelsheim in die filigrane Vielschichtigkeit des Lebens und leuchten seismographisch die Bewegungen hinter der Ordnung der Dinge aus. Ihre Bildwelten evozieren den Blick hinter das, was uns als selbstverständlich erscheint und eröffnen so die Frage nach dem Koordinatensystem subjektiver Lebenswege.

 

aus: Bewahrungen: #5 & #6 | 2006 | Digitale C-Prints, gerahmt | 120x80 cm

Die Sammlungen sind direkt mit der Künstlerin verknüpft: sie stammen von ihrem Vater und waren ikonographischer Begleiter ihrer Jugendjahre. Das fotografische Medium sorgt dafür, dass sich eine doppelte Bewegung eröffnet: die Bilder erzählen gleichermaßen aus der Nähe und der Distanz von dem Spannungsfeld zwischen dem Ich und dem Anderen. Der autobiographische Moment wird auf den Aspekt der Wandlung scharf gestellt: Vergangenheit zeigt sich als Potential der Zukunft.

 

Sammlungen von Mappen, Tonbändern oder CDs haben eins gemeinsam: ihre Motivarmut. Genau diese Limitiertheit ist es, die Ruth Hommelsheim in ihren Werken verstärkt, um dem Betrachter den Blick auf den Kern von Erinnerung zu ermöglichen: das Verstreichen von Zeit. Was so an den Tag gebracht wird, ist das, was diese Arbeit ausmacht: das Sichtbar- und Erlebbarmachen eines Wissens-Feldes, in dem die Erkenntnisse, jenseits ihres rationalen Wertes, oder ihre objektiven Formen, ihre Position eingraben und so eine Geschichte manifestieren. (Christopher Dell)

 

aus: Bewahrungen: #8 (Fische) | 2006 | Digitale C-Prints | Größe variabel
aus: Bewahrungen: #9 (Musikkassetten) | 2006 |Wandinstallation | Größe variabel